Gestatten? Diebach stellt sich kurz vor

Dies ist eine Zusammenfassung der ausführlichen „Zur Geschichte des Dorfes Diebach am Haag“ von Claus Kröll, die in der Festschrift zur 750-Jahr-Feier vollständig abgedruckt ist.


Zur Geschichte des Dorfes Diebach am Haag
 

Diese kurze Beschreibung, kann nicht alle Gesichtspunkte in Bezug auf die Erstbesiedlung und die Gründung des Ortes enthalten, denn der Name Diebach a.H. ist laut der Monographie „Der Landkreis Büdingen“ von Dr. Günter Nordmann in der Karte „Siedlungen des Landkreises“ bis zum Jahre 500 nach Christus, also weitaus älter, aufgeführt. Für eine Jubiläumsfeier wie die „750 Jahre Diebach am Haag“ sind jedoch ausschließlich die Ersten urkundlichen Aufzeichnungen, wie im vorliegenden Falle der 13.September im Jahre 1269 maßgebend. Eine frühere Erwähnung aus dem Jahre 1232 wurde nicht berücksichtigt, da dies keine Urkunde war und es sich wahrscheinlich um den Ort Langendiebach bei Hanau handelte.

Diebach am Haag liegt zwischen der geschleiften Burg Hardeck und dem Herrenhaag im Nord-Nordwesten und der Ronneburg im Süden im Fallbachtal. Weiter befindet sich in nordwestlicher Richtung der bereits von den Kelten besiedelte Glauberg, sowie in westlicher Richtung der Limes (römischer Grenzwall) mit den Kastellen Marköbel und Heldenbergen, so dass auch hier schon sehr frühe Kontakte und Tauschhandel zu vermuten sind.

Die erste Silbe des Wortes „Diebach“ hat ihren Ursprung sehr wahrscheinlich in dem altdeutschen Wort „diet“, was so viel wie Volk bedeutet. Eine allgemeine Bezeichnung wie „Volksbach“ kann aber nur dort sinnvoll sein, wo das Vorhandensein, Leben und Wirken von Menschen, bzw. Volk etwas Besonderes bedeutet, wo also das sonstige Land unbesiedelt ist. Wir können daher davon ausgehen, dass Diebach zu einer früheren Zeit gegründet wurde und seinen Namen erhielt, als das übrige Fallbachtal, das vor Zeiten auch Diebachtal geheißen haben soll, sowie die Umgebung noch unbesiedelt waren.

Seiner klimatisch günstige Lage verdankt Diebach der Tatsache, dass die Hardeck und der Höhenrücken des Herrnhaages Diebach gegen die eisigen Nord-, und Ostwinde abschirmen, während das Fallbachtal nach Südwesten hin offen ist und feuchte warme Winde das Tal durchziehen. So bildete Diebach mit Vonhausen eine kleine Klimainsel, in der Zeitweise sogar Wein angebaut und gekeltert wurde.

Es kann nicht mehr genau bestimmt werden, ob die von Mainz über Frankfurt und auch Diebach am Haag, nach Thüringen führende Reffenstraße (der Weg den Bonifatius teilweise auf seiner Reise nach Fulda nutzte) durch den Ort führte oder östlich im Wald verlief, denn um eventuelle Angreifer frühzeitig zu erkennen wurden die Wege seinerzeit und zum größten Teil über die Rücken des Hügellandes geführt. Im Südwesten, oberhalb der Aussiedlerhöfe zweigte schon vor dem Ausbau der Landstraße L 3193 zwischen Altwiedermus und Diebach am Haag ein seitlicher Weg ab, bei dem man aufgrund der Umgebung und seiner Höhenlage erkennt, dass es sich hier um die „Hohe Straße“ handelt. Dieser Weg wird auch heute noch die „Hohe Straße“ genannt.

1955 beim Bau der Wasserleitung und auch späteren Baumaßnahmen wurde unter der damaligen Straßenbefestigung ein Knüppeldamm gefunden, der vermutlich aus dieser Zeit stammte. Bei dieser Baumaßnahme wurden auch in einer Seitenstraße ein menschlicher Oberschenkelknochen sowie ein Hufeisen aus der Zeit um 1800 gefunden. Diese Funde bestätigen eine mündliche Überlieferung, wonach ein napoleonischer Reitersoldat beim Durchmarsch umgekommen sei und hier begraben wurde.

Das Haus, in dem sich einst die Schule und heute der Kindergarten mit Küche für das Dorfgemeinschaftshaus befinden, wurde um 1735 als Brauerei und Gastwirtschaft erbaut. Dort wurden auch die Pferdegespanne der Fuhrwerke gewechselt (Pferdewechselstation) und Reisende beherbergt. Wahrscheinlich wurde ein großer Teil des Bieres, das in der Brauerei hergestellt wurde, auf den Herrnhaag geliefert und dürfte auch von den Bürgern Diebachs, die dem Bier durchaus nicht abhold waren, konsumiert worden sein.

Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass an gleicher Stelle schon früher ein Gebäude stand, in dem Bier gebraut und verkauft wurde, denn in der Chronik der Ronneburg ist nachzulesen dass, am 11. Juni 1587 der Hofbäcker Hieronimus Jeckel nach „Dippach“ gegangen sei und sich dort „vollgesoffen“ habe.

Den Zweiten Weltkrieg hat Diebach ohne nennenswerte Schäden überstanden. Nach dem Krieg ist die Bevölkerung Diebachs durch den Zustrom von Heimatvertriebenen und die Ausweisung von Baugebieten von einst 250 auf 360 und bis Dato auf 520 Einwohner angestiegen. Am 1. April 1972 erfolgte dann die Eingemeindung nach Büdingen, wodurch Diebach am Haag seine Eigenständigkeit verlor.

Wie überall ist auch Diebach nun kein reines Bauerndorf mehr. Der größte Teil der Berufstätigen verdient seinen Unterhalt in den Industriebetrieben in der Kernstadt Büdingen, Hanau und sogar Frankfurt. Von den einstmals 46 Vollbauernstellen existieren nunmehr nur noch 4.

Die Angaben und der größte Teil der Texte wurden übernommen aus einer Beschreibung, den Chroniken zu Diebach a. H., die anlässlich des 100 jährigen Bestehen des Gesangvereins „Eintracht“ Diebach am Haag usw. vom damaligen Lehrer Dieter Wille aufgezeichnet, und Angaben des Hess Landesamtes in Darmstadt, sowie dem Archivar der Stadt Büdingen, Herrn Peter Zinnkann und dem Archivar des Fürstenhauses zu Ysenburg und Büdingen, Dr. Klaus Peter Decker. Für die Unterstützung und Informationen bedanken wir uns ganz herzlich.

Zusammengestellt 2018 von Claus Kröll.